Archive | November, 2012

Sascha Lobo über Social Media und Werbung

28 Nov

Der bekannte Blogger Sascha Lobo hat in Spiegelonline einen sehr spannenden Artikel zu den Veränderungen im Werbungsmarkt veröffentlicht.

Seine zentrale These lautet: „Die sozialen Medien haben das Zeug, einen Teil der klassischen Werbung zu transformieren und einen anderen Teil zu vernichten. Samt der daranhängenden Geschäftsmodelle.“

Die Argumentation des Autors ist leicht nachvollziehbar, wenn man auch nur einigermaßen beobachtet, was sich im Bereich der Werbung über Social Media aktuell tut. Man muss nicht unbedingt die spektakulären Modelle wie Lady Gaga oder Felix Baumgartner (via Red Bull) fokussieren, um die Veränderungen zu sehen. Selbst auf der unteren Ebene der lokalen Autohäuser, Handwerker oder Dienstleister zeigen sich die Tendenzen sehr klar. Neue Produkte oder Dienstleistungen werden in Social Media wie Facebook intensiv beworben, mit einer Reichweite, die dem Zweck genau angepasst ist. Dabei werden die Vorteile ausgespielt, die Social Media hat: Dialog mit den Kunden, Interaktivität auch im Sinne von Peer2Peer-Interaktion, virales Marketing durch attraktive Gewinnspiele oder Mitmachaktionen, Bilder, Videos, Links etc. Hinzu kommt der interne Zugewinn für Unternehmen: Die Werbearbeit aktiviert zugleich Prozesse der Bildung neuer Unternehmenskultur, Mitarbeiter vom Azubi bis zum Manager können aktiv eingebunden werden. Wichtig sind auch die von Sascha Lobo angesprochenen Geschäftsmodelle: „Im 20. Jahrhundert waren des exklusiven Zugangs zur Reichweite wegen die Unternehmen abhängig von redaktionellen Medien. Diese Abhängigkeit löst sich langsam auf und dreht sich sogar um. Und das in allen Mediensegmenten.“

Fazit: Die Medienbranche ist in Bewegung, die klassischen Printmedien sind als Werbeträger unter einen enormen Konkurrenzdruck durch Social Media geraten, die Journalismusbranche muss hier reagieren. Im Endeffekt wird es wohl um ein Nebeneinander, nicht um ein Entweder-Oder gehen, wie Sascha Lobo betont.

Fachliches Arbeiten in der Netzwerkgesellschaft

12 Nov

 

In der Zeitschrift „PädagogikUNTERRICHT“ 4/2012 habe ich neben einem längeren Fachbeitrag zur Elementarpädagogik einen kleinen Artikel zum Thema Networking in der fachlichen Arbeit, speziell LehrerInnen bei Facebook, veröffentlicht. Da der Artikel nur als Printversion erhältlich ist, hier zusätzlich eine online-Version:

Fachliches Arbeiten in der Netzwerkgesellschaft

„Lehrkräfte müssen mit den Medien und Medientechnologien kompetent und didaktisch reflektiert umgehen können, sie müssen gleichermaßen in der Lage sein, Medienerfahrungen von Kindern und Jugendlichen im Unterricht zum Thema zu machen, Medienangebote zu analysieren und umfassend darüber zu reflektieren, gestalterische und kreative Prozesse mit Medien zu unterstützen und mit Schülerinnen und Schülern über Medienwirkungen zu sprechen.“ (1)

Der in dem Beschluss der KMK vom 08.03.2012 formulierte Anspruch an das Bildungssystem und die BildungsarbeiterInnen in diesem System stellt den Versuch dar, Anschluss an eine Entwicklung zu finden, die in anderen Teilen der Welt schon deutlicher fortgeschritten ist. Wenn man auf iTunesU nach deutschen Universitäten sucht, die einen Teil ihrer Produkte zur freien Verfügung anbieten, findet man in einer langen internationalen Liste nur einige wenige erlauchte deutsche Institutionen. Ähnlich sieht es bei dem Angebot von Open Educational Ressources aus, ähnlich bei Massiv Open Online Courses, bei wissenschaftlicher Kooperation und Peer Review u.ä. Wenn man im deutschsprachigen Raum nach wirklichen Leuchttürmen in dieser Hinsicht sucht, findet man sie z.B. in der TU Graz. Aber Anfänge sind unübersehbar da. Wer bei Twitter gelegentlich den Hashtag #Medienbildung aufruft oder bei Scoop.it eine entsprechende Suchanfrage eingibt, sieht die Entwicklung. Tagtäglich. Im Schulalltag ist die Netzwerk- oder Informationsgesellschaft noch nicht so präsent, zumindest nicht bei den Erwachsenen. Unsere SuS und StudentInnen netzwerken dagegen schon sehr professionell. Nicht nur zur Vorbereitung der nächsten Party, wie viele, die außerhalb stehen, meinen. Wenn man bei Facebook als Suchwort „LK Mathe“ eingibt und bei der Verfeinerung der Suche „Gruppe“ anklickt, bekommt man (04.08.2012, 17:45h) fast 200 geschlossene LK Mathe-Gruppen angezeigt, die überwiegend normale Kursstärke haben, vermutlich jeweils ohne Lehrer J. Ähnliche Ergebnisse bekommt man für den Universitätsbereich, z.B. über den Suchbegriff „Erstsemester“. An den wenigen offenen Gruppen kann man die hohe fachliche Qualität in den Gruppen leicht erkennen. Auch bei den Erwachsenen zeigt sich zunehmend die Tendenz zu fachlicher Kooperation über Social Media. Hier ist die Bandbreite der genutzten Kanäle breiter. Twitter spielt in der Fachwelt eine bedeutende Rolle im Sinne punktgenauer Weitergabe aktueller und wichtiger Informationen. In letzter Zeit wird immer stärker die Vernetzung der Kanäle benutzt, z.B. durch Weiterleitung von Twitter zu Fb oder von Scoop.it zu Twitter und Facebook. Bei Facebook finden eher längere fachliche Dispute statt, oft in 20 – 30 Kommentaren, die gelegentlich Artikelcharakter bekommen. Für uns Pädagogen ist das überzeugendste Beispiel sicher die Fb-Gruppe „Medienpädagogik“ mit aktuell (s.o.) 1345 Mitgliedern, überwiegend aktiv und oft erkennbar hochkarätig. Für die meisten Schulfächer gibt es hochinteressante Fb-Gruppen, die tagtäglich interessante Informationen liefern, die man in dieser Bandbreite nicht einmal auf den meist dahinter stehenden Webseiten findet, da bei Fb der redaktionelle Aufwand geringer ist.

Was diese Form von Networking so wichtig macht, ist die bei den Theoretikern der Informationsgesellschaft schon lange vorhandene Erkenntnis, dass der bereits vollzogene Wechsel des Leitmediums vom Buch zum Internet eine neue Kultur des Lernens mit sich bringt bzw. erforderlich macht. Michael Giesecke schrieb schon 2005 in der „Zeitschrift für Pädagogik“: „Die posttypographische Kultur relativiert die Bedeutung des Individuums als Subjekt und Objekt von Lehr- und Lernprozessen zugunsten von Organisationen, Gruppen und Teams.“ (2) Dies ist die unausweichliche Konsequenz der Netzwerkgesellschaft und dies ist auch der tiefere Sinn des KMK-Beschlusses: „Medien … können sowohl selbstgesteuertes als auch kooperatives Lernen unterstützen und bei der Implementierung innovativer Ansätze, wie problembasiertes oder forschendes Lernen, Hilfestellung leisten. Somit ermöglichen Medien den Lernenden die Übernahme von Verantwortung und Gestaltung bei der Planung, Reflexion und Dokumentation des eigenen Lernweges. Ihr sachgerechter Einsatz in zunehmend vernetzten Lernumgebungen fördert die Unterrichtsqualität, erhöht die Verfügbarkeit von digitalisierten Bildungsangeboten über räumliche und zeitliche Distanzen hinweg und erweitert die unterrichtlichen wie außerunterrichtlichen Spielräume schulischer Bildung.“ (3) Lernen wird personalisiert, selbstgesteuert, kooperativ, mobil, ubiquitär, lebenslang etc. Die entscheidende Aufgabe der LehrerInnen auf diesem Weg ist die Begleitung und Professionalisierung des selbstgesteuerten Lernens. Für den Bereich der Frühpädagogik haben Forscher wie Gerd E. Schäfer den Blick dafür geschärft, für die weiteren institutionalisierten Lernbereiche ist die Aufgabe unterschiedlich im Blick, am ehesten im Moment wohl in der außerschulischen Bildung und in der Studien- und Berufsorientierung. Für uns Lehrer dürfte die Aufgabe gar nicht so neu sein: Wir müssen „nur“ Vorbild sein. Der Lehrer als „Solotänzer“ war gestern, heute ist Netzwerken angesagt. Im „analogen“ Bereich sehe ich gute Ansätze, vor allem bei den jüngeren KollegInnen. Da endet die Didaktik nicht an der Klassenzimmertür. Aber oft endet sie dann doch am eigenen E-Mail-Verteiler oder am dienstlich-privaten Telefonbuch. Die Ausweitung der Kooperation auf den „digitalen“ Bereich stößt noch auf Schwierigkeiten. In entsprechenden Diskussionen wird mir oft entgegengehalten: „Aber Facebook ist doch ganz schrecklich.“ Ja, völlig richtig, eine Datenkrake, Google+ auch und Twitter auch und Amazon auch und und und. Was ist die Alternative? „Saubere“ Social Media gibt es nicht. Also meiden? Bestenfalls sichere Schulserver für die Verbreitung von Inhalt benutzen? Die SuS da draußen allein lassen? Zeigefinger? Oder selbst nutzen im Bewusstsein der Risiken? SuS kritisch begleiten und ein positives Beispiel geben? Ich muss nicht mit den jungen Leuten bei Fb befreundet sein, aber ich kann ihnen zeigen, dass man mit Social Media mehr anstellen kann, als den Freundschaftsbecher oder den Cocktail zu fotografieren und zu zeigen. Ich kann ihnen fachliches Arbeiten über Social Media zeigen, den Mehrwert demonstrieren, wie es bei uns Didaktikern gerne heißt. Ich kann ihnen zeigen (oder heute schon oft von ihnen lernen), was Identity Management im Netz heißt und was es für die spätere Karriere bedeuten kann. Aber alles das kann ich nicht, wenn ich Social Media nicht von innen heraus kenne.

Der Zielpunkt meiner Argumentation ist ganz einfach: anfangen! Bei Twitter, bei Google+, bei Scoop.it, bei bloggenden LehrerInnen. Oder eben bei Facebook, wenn man privat eh schon da ist. Ich will niemanden animieren, Facebook beizutreten, vor allem keine SuS. Aber wenn PädagogiklehrerInnen schon bei Fb sind, dann sollten sie sich Fachgruppen wie „Pädagogikunterricht NRW“ (Eigenwerbung) oder „Medienpädagogik“ einmal anschauen und möglichst dort mitarbeiten. Mein persönliches Interesse bei der Gruppengründung „Pädagogikunterricht NRW“ bestand darin, einen fachlichen Lernprozess anzustoßen; mein größter Wunsch ist es, mich auf die Position eines „Lurkers“ in der Gruppe zurückziehen zu können und die Arbeit der nachfolgenden Lehrergenerationen noch möglichst lange bewundern zu können.

In diesem Sinne: Bis bald bei Facebook!

 

Anmerkungen:

1)  Medienbildung in der Schule (Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 8. März 2012), S.7 http://medien.bildung.hessen.de/service_medien/fb/Beschluss_KMK-Medienbildung-08-03-2012.pdf

 

2)  Michael Giesecke, Auf der Suche nach posttypographischen Bildungsidealen, Zeitschrift für Pädagogik, 2005,1, 14 – 29 http://www.pedocs.de/volltexte/2011/4737/pdf/ZfPaed_2005_1_Giesecke_Auf_der_Suche_nach_D_A.pdf

 

3) a.a.O. S. 4

Social Media: Auswirkungen auf die Unternehmenskultur

8 Nov

In einenem Videointerview diskutiert Heike Simmets mit Andreas Bock die Auswirkungen des Social-Media-Einsatzes auf die Unternehmen selbst. Der Tenor ist, wie in vielen neueren Beiträgen zu diesem Thema: externe Kommunikation beeinflusst die interne Kommunikation. Das liegt in der Natur der Sache. Die 1.0-Relation hat Einbahnstraßencharakter, 2.0-Lösungen im Marketing basieren auf Netzwerkstrukturen und haben dialogischen Charakter. Die Realisierung moderner Ansätze erfordert immer eine Einbeziehung vieler interner Kräfte und bewirkt im Gelingensfall eine vielfältige externe Kommunikation. Da die externe Kommunikation immer auch latent brisant ist, erfordert sie eine hohe interne Sensibilisierung möglichst in allen Unternehmensbereichen. Dadurch kommen Prozesse in Gang, die für die Unternehmenskultur hoch wirksam sein können: Identifikationsaufbau, Kommunikationsbereitschaft, Durchlässigkeit, verbesserte Wahrnehmung, Bottom-Up-Prozesse, etc.  Diese Haltung ist in einigen großen Unternehmen in Deutschland durchaus schon angekommen, wenn auch dort nicht immer konsequent umgesetzt. In den KMU ist die Entwicklung jedoch noch sehr im Anfangsstadium verhaftet. Kleine, aber feine Auftritte gibt es aber durchaus schon, als ein Beispiel von vielen sei hier die „Kleine Konditorei“ aus Hamburg erwähnt.